Anleitung: So reibt Ihr einen Bogen mit Kolophonium ein

Allgemeine Hinweise

Ein gerade frisch gekaufter Geigenbogen gibt keinen Ton von sich - ist er also defekt? Nein! Es ist nur noch kein Bogenharz aufgetragen. Dieses Harz besteht aus feinen Partikeln, die sich an die Bogenhaare anlagern. Sie sorgen dafür, dass die Saite für den Bruchteil einer Sekunde am Haar festklebt. Dann wird sie wieder freigegeben und bleibt am nächsten Partikel hängen. So beginnt die Saite zu schwingen. 

Ein nicht einkolophonierter Bogen erzeugt keine Reibung auf der Saite und kann sie folglich auch nicht in Schwingung versetzen. Deswegen erzeugt er auch keinen Ton. 

Ich unterscheide jetzt zwischen dem ersten Einreiben, welches etwas länger dauert, und dem wiederholten Einkolophonieren. Dieses sollte man etwa ein- bis zweimal pro Woche durchführen, je nach Intensität der Übungseinheiten. 

Erstes Einkolophonieren

Die Bogenhaare sollten sauber sein und eine ungefähr gleichmäßige Länge aufweisen. 

Achtung: Es kann sein, dass beim ersten Einkolophonieren eines neuen Bogens einige wenige Haare reißen. Das ist vollkommen normal! Es handelt sich dabei um schwächere Haare, die intensives Spiel sowieso nicht überleben würden. Diese Haare solltet Ihr an Frosch und Spitze sauber mit einer Schere abgeschneiden. Auf keinen Fall ausreißen!

Zum Einkolophonieren geht bitte wie folgt vor:

  • Neues Kolophon muss man vor dem ersten Gebrauch an der Oberfläche leicht anschleifen (wenige Sekunden)
  • Den Bogen so spannen, dass an der engsten Stelle gerade ein Finger zwischen Haare und Stange passt (=Normalspannung)
  • Den Bogen wie abgebildet in die rechte Hand nehmen, mit den Haaren nach oben
  • Die Stange mit dem Zeigefinger abstützen
  • Mit dem Kolophonium gleichmäßig über die Bogenhaare streichen
  • Spitze und Frosch werden dabei automatisch vernachlässigt, daher jeweils oben und unten 3-4 kurze Striche einfügen
  • Gesamtdauer der Prozedur: Ca. 1 Minute
  • Zur Kontrolle mit dem Zeigefinger leicht über die Haare fahren. Bleibt Staub auf der Fingerkuppe, ist der Bogen fertig eingerieben. 

Wiederholtes Einkolophonieren

  • Prozedur wie oben beschrieben
  • Dauer: ca. 10 Sekunden

Der Bogen kann etwas hart klingen, wenn er frisch mit Kolophonium eingerieben ist. Das gibt sich nach wenigen Minuten. Auch kann, je nach verwendetem Produkt, die Staubentwicklung zunächst erheblich sein. Der Harzstaub ist schädlich für den Geigenlack und Ihr solltet ihn umgehend, spätestens aber nach wenigen Tagen entfernen.

Kolophonium findet Ihr hier: Kolophonium von mezzo-forte (klick)